Im Rahmen eines TV-Experiments, spielt Eric Mayer ein komplett von KI‑geschriebenes Comedy-Programm im Mad Monkey Room, während sich das Publikum auf dem schmalen Grat zwischen Lachen und Fremdscham bewegt.
Der Mensch als Sprachrohr der Maschine
Eric Mayer kennt man als „Stuntman des Wissens“ aus der ZDF-Sendung PUR+ und als NANO-Reporter auf 3sat .de.
Jetzt hat er sich auf ein Experiment eingelassen, das die Comedy-Szene aufhorchen lässt: In der NANO-Doku „Das Bühnen-Experiment“ lässt er eine KI sein komplettes Stand-up-Programm schreiben – Gags, Übergänge, Pointen, alles.
Dann stellt er sich damit vor Publikum auf die Bühne. Ohne dass irgendjemand im Raum weiß, dass kein einziger Witz von ihm stammt.
Die Frage, die über allem schwebt: Merken die Leute den Unterschied? Spoiler: offenbar nicht so leicht, wie man hofft.
„Kreuzfahrtschiff-Comedy aus den 50ern – nur etwas weniger rassistisch“
Dabei sollte die Sache eigentlich klar sein. Eine vielbeachtete Studie von Google DeepMind aus 2024 kam zu dem Schluss, dass große Sprachmodelle (LLMs) wie ChatGPT oder Gemini keine wirklich guten Witze schreiben können.
20 professionelle Comedians testeten KI-generiertes Material – das vernichtende Urteil eines Teilnehmers: Das Ergebnis klinge wie „Kreuzfahrtschiff-Comedy aus den 1950er-Jahren, nur ein bisschen weniger rassistisch“ .
Warum das Publikum trotzdem lacht
Und genau hier liegt der Twist von Mayers Experiment: Auf der Bühne zählt nicht nur der Text. Timing, Mimik, Stimmlage, Bühnenpräsenz – das alles macht aus einem mittelmäßigen Gag einen funktionierenden Moment. Eric Mayer ist eben kein Chatbot, der monoton Sätze vorliest, sondern ein erfahrener Performer, der weiß, wie man eine Pointe setzt.
Die Comedy-Branche diskutiert
Das Thema trifft einen Nerv. Auf der Comedy Future Convention 2026 ist KI eines der Hauptthemen. Diskutiert wird, ob KI eher als Werkzeug für Inspiration und Effizienz dient – oder ob sie die einzigartige menschliche Spontanität und das Timing von Comedians gefährdet.
Auch der „KI-Comedian“ Dr. Jens Wegmann alias Jan Ditgen macht bereits komplette Shows zum Thema Künstliche Intelligenz und erklärt auf seinem YouTube-Kanal „der KI-Erklärer“ einem breiten Publikum die Chancen und Grenzen.
Selbst im WDR-Kosmos ist KI-Comedy angekommen: In der WDR 2 Comedy erklärt „Jünter“ Künstliche Intelligenz – mit der Erkenntnis: „KI könnte uns helfen, zwei zueinander passende Socken im Schrank zu finden. Tut sie aber nicht, damit wir auch noch was zu tun haben“.
Was das für Comedians bedeutet
Fassen wir zusammen: KI kann Gags schreiben, die auf der Bühne funktionieren – solange ein Mensch sie verkauft. Aber sie kann (noch) keine Comedy, die überrascht, verstört oder wirklich berührt. Sie liefert den Rohstoff, nicht die Kunst.
